Ökologischer Krankenhausbau

Empfehlungen des Arbeitskreises „Umweltschutz im Krankenhaus NRW“

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Krankenhäuser tragen eine besondere Verantwortung für den Schutz der Umwelt zum Wohle der Menschen und insbesondere der Mitarbeiter und Patienten. Deshalb ist die Berücksichtigung ökologischer Aspekte bei Neu- und Umbaumaßnahmen dringend erforderlich.
Es sollte grundsätzlich:
· vor der Planung von Neubauten geprüft werden, ob bzw. inwieweit bereits vorhandene Bausubstanz verwertet werden kann,
· der Krankenhausökologe während der gesamten Planungs- und Bauphase einbezogen werden, um in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten ökologische Aspekte einzubringen,
· bei Maßnahmen, die vom Land gefördert werden, der aktuelle Katalog mit den Empfehlungen von Bund und Land verbindlich sein.

Maßnahmenkatalog

Der nachfolgend zusammengestellte Katalog enthält nach dem Stand der Technik die wichtigsten ökologisch relevanten Maßnahmen. Die konkrete Umsetzung muß jeweils individuell auf das Bauvorhaben abgestimmt werden.

1. Grundlagen und Vorplanung

1.1. Grundsätzliches

 

  • Einbindung des Baukörpers in das städtebauliche Umfeld und die natürliche Landschaft
  • Schonung der natürlichen Ressourcen Boden und Wasser
  • Stellung und Gestaltung des Baukörpers so, daß die Windeinwirkung möglichst gering und der passive Wärmegewinn bedarfsgerecht ist

 

1.2. Vorgaben zu Bauweise und Betrieb

 

  • Orientierung am Leitbild „Niedrigenergiestandard“
  • Anordnung der Räume nach Wärmebedarf
  • Flexible Grundrißgestaltung in allen Bereichen (ggf. Einsatz variabler Wandtrennsysteme), um kostengünstig neuen Nutzungsanforderungen zu entsprechen
  • Optimaler Schutz vor Immissionen (bes. vor Lärm)
  • Nutzung regenerativer Energiequellen
  • Einsatz von Anlagen zur Kraft- / Wärmekopplung (BHKW)
  • Frühzeitige Erstellung des Konzeptes für die Ver- und Entsorgung (Gebrauchsgüter, Lebensmittel, Wäsche, Abfall) und Festlegung des daraus resultierenden Platzbedarfs

 

 1.3. Außengestaltung

 

  • Begrünung von Dächern und Fassaden soweit unter hygienischen Gesichtspunkten möglich
  • Nutzung von Dachflächenwasser z.B. für die Bewässerung der Außenanlagen oder die Einspeisung in ein Feuchtbiotop oder Versickerung des Dachflächenwassers
  • Minimierung des Anteils versiegelter Flächen bzw. Kompensation durch Entsiegelung anderer Flächen

 

 

2. Entwurfsplanung und Bauausführung

2.1. Materialien

 

  • Verwendung umweltverträglicher Baustoffe
  • Einsatz von Recyclingbaustoffen / Wiederverwendung von Baustoffen
  • Bevorzugte Verwendung von heimischen Hölzern; Tropenhölzer sollten nur verwendet werden, wenn sie aus zertifizierter, nachhaltiger Bewirtschaftung stammen
  • Verwendung von Baustoffen und Bauteilen, die frei von PCB, Asbest, PCP, FCKW und HFCKW sind

 

2.2. Energieversorgung

 

  • Erstellung eines Energie-Wärmepasses
  • Einsatz von Brennwerttechnik
  • Einbau von Thermostatventilen mit hydraulischem Abgleich der Heizungsanlage
  • Einsatz von Anlagen zur Gebäudeleittechnik (Zentrale Steuerung und Überwachung der Energieversorgung, -verteilung und des Energieverbrauches)
  • Verzicht auf raumlufttechnische Anlagen soweit möglich, andernfalls ist die Möglichkeit der Leistungsbegrenzung bzw. der Einbau eines Kühlwasserkreislaufs zu erwägen
  • Verzicht auf Raumklimatisierung
  • Minimierung des Stromverbrauchs durch energiesparende Elektrogeräte, Energiesparlampen und -leuchten sowie Bewegungsmelder unter Berücksichtigung der fachtechnischen Gesichtspunkte (Berechnung der Beleuchtungsstärke)
  • Verringerung des Frischwasserverbrauchs (z.B. durch Wasserspartasten, Perlatoren, berührungslose Armaturen)

 

2.3. Außengelände

 

  • Rücksichtnahme auf die natürlichen Gegebenheiten des Grundstücks und seiner Umgebung während der Bauphase (Schonung vorhandener Vegetation, Biotope, Wurzelzonen und des Oberbodens)
  • Planung von Freianlagen unter Einbeziehung ökologischer Gesichtspunkte (z.B. Erhaltung von Baumbeständen, Erhaltung / Förderung naturbelassener Flächen, Anlage von Biotopen, Verwendung standortgerechter Gehölze bei Neupflanzungen, Nisthilfen)
  • Ökologische Verkehrserschließung (z.B Konzipierung von Straßen und Wegen als Mischflächen)
  • Schaffung einer bedarfsgerechten Anzahl von Abstellplätzen für Fahrräder
  • Reduzierung der Anzahl der Kfz-Stellplätze auf ein Minimum

 

2.4. Sonstiges

 

  • Bevorzugter Einsatz von langlebigen Materialien
  • Einbau von Schutzvorrichtungen wie z.B. Wandabweisern, um Beschädigungen zu vermeiden und damit die Renovierungsintervalle zu vergrößern
  • Berücksichtigung von Reinigungsgesichtspunkten (z.B. Schmutzfangsystem, überdachter Eingang, Bodenbelagwahl)
  • Einbeziehung von Ver- und Entsorgungsunternehmen in die Planung des Raumbedarfs sowie von Transportwagen, Warenverteilungs- und Sammelsystemen für gebrauchte Güter
  • Trennung der in der Bauphase anfallenden Abfälle unter Beachtung der jeweiligen Verwertungmöglichkeiten

 

 

3. Hinweis

Es ist davon auszugehen, daß die Umsetzung von ökologisch relevanten Maßnahmen keinen signifikanten Kostenanstieg initiiert. Die meisten Punkte sind kostenneutral umsetzbar, bei den Betriebs- und Instandhaltungskosten ist eine Absenkung zu erwarten.

2001